„Nach Kinderentführung rast Mann im Menschen-Gruppe“: Warum wir Dinge öfter hinterfragen sollten

breakingnews
Quelle: bild.de

„Did you hear about Munich?! Some guy kidnapped 4 kids and then crashed his car into a crowd!“

Diese Nachricht sendete Person A an Person B. Person B schickte mir daraufhin sofort den Screenshot – schließlich bin ich ja gerade in der Gefahrenzone München – und warnte mich: „Sandra, what’s all this terrorism in Munich?! You got to get outta there!

Halt, stopp! Wer hat hier irgendwas was von Terrorismus gesagt? Richtig: Niemand!

Die Geschichte, um die es geht, ist laut dem sehr detaillierten Artikel auf Süddeutsche.de und der Nachricht auf WELT.de nämlich Folgende: Am Mittwochabend nahm ein 29-Jähriger nach einem Streit mit der Lebensgefährtin ihre vier Kinder, stahl ihr Auto und fuhr davon. Weil er zu schnell unterwegs war, verlor er die Kontrolle über den Wagen und fuhr zwei Männer an. Er flüchtete zu Fuß, die Kinder blieben unversehrt im Auto.

Er raste also nicht in eine Menschenmenge. Er tat es vor allem nicht aus (politisch) motivierten Gründen. Ergo handelt es sich dabei nicht um Terrorismus.

Doch manche Menschen dramatisieren solche Geschichten gerne. Die Frage ist wieso: Wollen sie Drama und Aufmerksamkeit? Oder sie sind einfach nur leichtgläubig und dumm? Vielleicht war die Warnung ja auch nur nett gemeint. Ich erwarte in so einer Situation aber mehr Reflektion. Denn eins steht aber meiner Meinung nach fest: Wenn man so eine Nachricht erhält, ist nur eine einzige Reaktion die richtige – und zwar: Selbst zu recherchieren und Hintergrundinformationen zu sammeln! Und nicht, es wie einen Kettenbrief in der Welt zu verbreiten. Denn genau so entstehen Vorurteile und Angst.

Das Problem bei der Sache ist, dass gewisse Medien diese Angst durch ihre Headlines und Artikel unterstützen, und so die Suche nach verlässlichen und richtigen Informationen erschweren. Denn Medien profitieren von dramatisierten Geschichten, die zu mehr Reichweite, Seitenaufrufen und Lesern führen.

Eine dieser Medien ist – Überraschung – die BILD. BILD.de titelte zu dem Thema: 

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Liebe BILD: Erstens heißt es „Kindesentführung“. Zweitens erschafft diese Überschrift ein falsches Bild von der Situation. Klar, nach dieser Überschrift denkt man sofort an Terrorismus, man denkt an den Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin. Aber selbst in dem darauffolgenden Artikel, der aus gerade einmal 6 Sätzen besteht, fällt kein Wort über die wahre Ursache für den Crash.

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Meiner Meinung nach haben sowohl Medien, aber auch wir Einzelpersonen, hier eine Verantwortung. Medien dürfen es nicht nur auf Klick- und Leserzahlen absehen, vor allem wenn es um heikle Themen wie Terroranschläge geht. Manche Menschen sehen nämlich nur die BILD-Überschrift und denken: TERRORISMUS. Und dann erzählen sie anderen davon, und der Irrglaube verbreitet sich. Manche Menschen sind einfach nicht clever genug, das zu hinterfragen. Und hier sehe ich auch die notwendige Verantwortung, die wir selbst übernehmen müssen: Wir dürfen nicht alles immer so hinnehmen, wie wir es in den Medien oder von Freunden dargestellt bekommen. Wir müssen uns selbst informieren, Quellen vergleichen und uns ein richtiges von der Situation Bild machen. Wir sollten die Dinge öfter hinterfragen.

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5 Gedanken zu “„Nach Kinderentführung rast Mann im Menschen-Gruppe“: Warum wir Dinge öfter hinterfragen sollten

  1. Toll geschrieben!

    Ja auch ich finde es verantwortungslos, wie Medien mit Tatsachen umgehen. Mittlerweile lese ich gar keine so unseriösen Zeitungen mehr (in Österreich sind die „Österreich“ oder die „Heute“ sehr ähnlich der „Bild“).
    Leider ist es durch die starke Verbreitung dieser Medien nicht immer leicht, den Überblick zu behalten und sich nicht so sehr beeinflussen zu lassen.
    Und leider nehmen die meisten Personen solche „Informationen“ unreflektiert auf, einfach weil es Arbeit bedeutet, sich zu erkundigen…

    Liebe Grüße

    Gefällt mir

    1. Hi, danke für den Kommentar! Ja, man selbst ist zum Glück so reflektiert und informiert sich bei verschiedenen und vor allem seriösen Quellen. Aber im Gespräch mit anderen macht mich diese Faulheit der Leute, sich zu erkundigen, echt wütend. Ein solches Gespräch war nämlich auch der Anstoß für diesen Blog Post. Und alles, was es heutzutage dafür bräuchte, ist Google – da werden dir die Nachrichten sogar schon nach Anbietern sortiert präsentiert. Naja, ich versuche jedenfalls, in diesem Punkt die Leute zu belehren und ihnen zu sagen: informiere dich bevor zu Gerüchte in die Welt setzt!
      Liebe Grüße

      Gefällt 1 Person

  2. Finde ich super, dass Du einen Post zu diesem Thema machst. Ich finde auch, dass die Leute sich besser informieren sollten, bevor sie loswettern und Panik machen. Ein erster Schritt wäre ja, auf das Medium achten, dass so etwas titelt. Bei einer Bildzeitung oder der Huffington Post oder so sollte jeder sich klar machen, dass deren Artikel nicht immer wörtlich zu nehmen sind.

    Aber Dein Beispiel ist ja fast mutwilliges Verbreiten von Fehlinformationen (also von Seiten der Bild)! Unglaublich, dass denen egal, was sie damit anrichten! Denen scheint es echt mehr um Klick- und Leserzahlen zu gehen, als um alles andere. Und das in solchen angespannten Zeiten! Glauben diese Menschen nicht mehr an so etwas wie eine journalistische Verantwortung…? :/

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    1. Ja, ich finde das auch sehr verantwortungslos. Und so ein Verhalten führt eben gerade dazu, dass die Leute den Medien nicht mehr vertrauen – und da wird dann teilweise nicht mehr zwischen einer BILD und einer SZ differenziert, was ich unfair und schade für alle seriösen Nachrichtenmedien finde.

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