Wie Nicholas Sparks, Pilcher & Co. die Liebe verhindern

Man meint zwar immer, die britische Schriftstellerin Rosamunde Pilcher sei die Botschafterin der Liebe. Ihre Filme seien der Inbegriff der Romantik. Doch in Wahrheit verhindern die Pilcher-Filme die Liebe – und zwar die echte, reale Liebe.

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Die Filme mit Titeln wie Im Zweifel für die Liebe, Melodie der Herzen oder Rosen im Sturm laufen eigentlich alle nach dem gleichen Schema ab: Eine Frau aus bürgerlichen Verhältnissen trifft auf einen gut aussehenden wohlhabenden Mann und es funkt sofort. Doch sie können aus irgendeinem Grund nicht zusammen sein (die Familien sind verfeindet / er ist bereits einer anderen versprochen / sie hat ihr Leben Gott gewidmet). Nach ewigem hin und her, sowie der Überwindung von Gefahren und Intrigen finden sie am Ende doch zueinander.

Beispiel gefällig? Hier die Beschreibung von Im Zweifel für die Liebe aus der TV-Spielfilm:

Gemein! Grundbesitzer Sean Hastings (Jan Sosniok) will den Pachtvertrag fürs klösterliche Waisenhaus nicht verlängern. Novizin Megan (Henriette Richter-Röhl) stellt den reichen Nachbarn mutig zur Rede. Als sie seinen Sohn vor dem Ertrinken rettet, will Sean sie als Kindermädchen. Megans Herz schlägt schneller, doch da ist noch das Kloster… Bevor die Liebe ihren Hafen findet, müssen noch Familienintrigen überwunden, tödliche Geheimnisse enttarnt und Hundewelpen gerettet werden.

Kommt euch irgendwie bekannt vor? Ja, hier muss gar nicht Rosamunde Pilcher drüber stehen. Der Name lässt sich auch durch Nicholas Sparks (manche seiner Werke) oder Inga Lindström ersetzen. Letztendlich klingen diese Geschichten immer gleich.

Und das ist ja auch alles schön und gut. Das Genre der Schnulz-Romanzen hat sicherlich seine Berechtigung: Für erwachsene Frauen, die bereits Erfahrungen mit realer Liebe gemacht haben.

Doch was, wenn ein 12-jähriges Teenager-Mädchen mit einem Haufen Selbstzweifel und einer Ungewissheit über das Leben diese Filme sieht? Sie glaubt, dass es so passieren wird. Auch ihr. Irgendwann.

Dann beginnt sie zu suchen: Nach der Liebe auf den ersten Blick, der großen und einzigen Liebe, dem Drama, dem Happy End. Sie beginnt, daran zu glauben.

Und dann ergibt sich zum Ersten Mal etwas – aber es ist überhaupt nicht so, wie sie sich das vorgestellt hat. Es ist ganz und gar nicht movie-like. Es fühlt sich normal an, irgendwie langweilig, und zu einfach, um schön zu sein. Denn sie will das Drama und die ganz großen Gefühle, die sich auch über Monate hinweg wie ein Feuerwerk anfühlen.

Man sagt nicht umsonst, dass sich Frauen immer den Falschen aussuchen. Immer den, der sie am wenigsten beachtet. Weil sie meinen, sie wären die Eine, die ihn erobern und sein Herz erweichen kann. Aber das Leben ist nun mal kein Pilcher-Film.

Und so erschaffen Nicholas Sparks, Pilcher & Co. ihre Sklavinnen. Sie ketten sie an ihre Geschichten, wie eine Droge. Und die müssen solche Filme dann immer wieder sehen.Weil sie schöner scheinen als das reale Leben. Weil es in der Realität nie so passiert – wie sie dann schmerzlich herausfinden. Weil sie als Teenager ein idealisiertes Bild von Liebe und Beziehungen vorgesetzt bekamen, bevor sie ihre eigenen Erfahrungen mit realer Liebe machen konnten.

Ja, es stimmt: im Vergleich zu einem Rosamunde-Pilcher Film ist die Liebe im realen Leben vielleicht langweilig, und gleichzeitig manchmal anstrengend und kompliziert. Aber gleichzeitig auch viel spannender und interessanter: Denn das Leben ist nicht an eine Spielfilmlänge gebunden. Und mal ehrlich: Wer will schon ein Leben voller Drama und Intrigen?

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